Pressemitteilung vom 10.05.2012

Hausbesitzer zögern beim Austausch alter Leitungen

Gesetz: Ab 2013 bleifrei/Wasserbetriebe haben ihre Aufgaben erledigt

Die Berliner Wasserbetriebe haben 20 Monate vor Ablauf der gesetzlichen Frist die Auswechselung alter Hausanschlussleitungen aus Blei weitestgehend abgeschlossen. Die Bezirke Reinickendorf, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf sind aus unserer Sicht bereits bleifrei. Allerdings gibt es in den drei Südwest-Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln noch zahlreiche Bleianschlüsse. In den vergangenen fünf Jahren haben die Wasserbetriebe rund 13.000 bleihaltige Anschlüsse ausgetauscht.

In Zahlen: Von den rund 280.000 Berliner Trinkwasser-Hausanschlüssen enthalten noch rund 1.600 Rohre Blei. Ein großer Teil davon sind Einfamilienhäuser, deren Besitzer auf die seit mehr als 20 Jahren angebotenen Vorteilskonditionen für den Leitungstausch nicht reagiert haben. Dazu kommen fast 3.000 weitere Gebäude – ebenfalls vorwiegend Einfamilienhäuser – bei denen die Bleileitungen im Verantwortungsbereich der Wasserbetriebe bereits entfernt worden sind, die aber im Haus selbst, also in Verantwortung des jeweiligen Eigentümers, noch ein Stück Blei-Anschlussrohr haben.

Von diesen rund 4.600 betroffenen Gebäuden liegen 3.100 im Bereich der Rohrnetzbetriebsstelle Lichterfelde, die für die Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln zuständig ist.

Die Berliner Wasserbetriebe werden – wenn die Hauseigentümer dies beauftragen – diese Anschlüsse bis Ende 2013 auswechseln. Seit mehr als 20 Jahren bieten wir für den Tausch dieser Leitungen finanziell vorteilhafte Konditionen. Bei der aktuellen Offensive werden die Arbeiten straßenweise gebündelt und die so entstehenden Effizienzvorteile in Form günstiger Preise an die Kunden weitergegeben.

Hintergrund: Die Trinkwasserverordnung senkt den heutigen Blei-Grenzwert von 25 µg/l ab 1. Dezember 2013 auf 10 µg/l. Blei war bis in die 1940er Jahre auf Grund seiner Korrosionsbeständigkeit und leichten Handhabbarkeit Standardmaterial für Wasserleitungen kleinen Querschnitts. Seit die gesundheitsschädlichen Wirkungen dieses Metalls bekannt sind, werden bei Neuinstallationen und Sanierungen Stahl, Kupfer oder Kunststoffe verwendet.

Während das 7.891 km lange Trinkwasserrohrnetz von jeher bleifrei ist, gibt es in Berlin noch rund 4.600 Hausanschlussrohre – das ist die Verbindung vom Hauptrohr unter der Straße zum Wasserzähler im Keller – sowie eine unbekannte Anzahl alter Gebäude mit Hausinstallationen aus Blei. Dabei gibt es ein starkes West-Ost-Gefälle. In Steglitz-Zehlendorf gibt es mit Abstand die meisten Blei-Hausanschlüsse auf Seiten der Hausbesitzer, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf. Die wenigsten sind in Treptow und Spandau zu finden. Die Ost-Bezirke sind nahezu bleifrei. Blei kann es in der Regel nur in Gebäuden geben, die vor 1940 errichtet worden sind oder die nach 1950 keine Generalsanierung erfahren haben.

Die Wasserbetriebe nehmen gebiets- und straßenweise Kontakt mit den Hauseigentümern bzw. Verwaltern auf und vereinbaren Vor-Ort-Beratungstermine. Wo immer möglich, kommen moderne, grabenlose Bauverfahren zum Einsatz. Dabei wird von einer kleinen Startbaugrube aus das alte Bleirohr entfernt und das neue Rohr sofort in dessen Spur gezogen. Das spart Aufbruch und Transporte und schont Vegetation und Umwelt.

Die Trinkwasserverordnung stellt Hauseigentümer den Wasserversorgern rechtlich gleich. Sie müssen in ihrem Verantwortungsbereich ebenfalls dafür sorgen, dass ihre Mieter einwandfreies Wasser genießen können. Mieter aus Gebäuden, die nicht grundlegend saniert worden sind, sollten ihren Hausbesitzer oder Verwalter nach dem Material der Rohre im Haus fragen. Ist die Auskunft unbefriedigend, so kann bei Verdacht das zuständige Gesundheitsamt eingeschaltet werden.

Auch Wasseranalysen, angeboten von akkreditierten und auf einer Landesliste zugelassenen Laboren  (http://www.berlin.de/lageso/gesundheit/trinkwasserhygiene/untersuchungsstellen.html), schaffen Klarheit. Entsprechende Fragen an den Vorbesitzer sollten auch Käufer älterer Einfamilienhäuser stellen. Denn zahlreiche Besitzer solcher Gebäude haben eine Auswechselung ihres Hausanschlusses bisher abge¬lehnt. In solchen Fällen wechseln die Berliner Wasserbetriebe das bleihaltige Rohr trotzdem aus, allerdings nicht komplett, sondern nur zwischen Hauptleitung und Grundstücksgrenze.

 

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