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Methanol aus dem SVZ: Wir machen etwas Gutes besser. Ökologischer Zukunftstreibstoff von Daimler-Benz erfolgreich getestet

Pressemitteilung vom 06.05.1998

Methanol ist ein Basisstoff für ungezählte chemische Prozesse. Es dient zur Herstellung von Kühlmitteln oder Essigsäure, es kann zu Antiklopfmitteln, Vitaminpräparaten oder Benzin verarbeitet werden... Seit vor wenigen Jahren begonnen wurde, die Brennstoffzelle mit Hochdruck zum Antriebsaggregat der Zukunft zu entwickeln, gilt Methanol als deren Energieträger. Das Wunderelixier wurde bisher aus Erdöl oder aus Erdgas gewonnen.

Weltweit einzigartig ist jedoch die im Sekundärrohstoff-Verwaltungszentrum Schwarze Punpe (SVZ) angewandte Technologie zur Methanolsynthese. Hier werden KIär- und Industrieschlämme, Altöle, Sortierreste des Dualen Systems, Hausmüll und andere sonst schwierig oder gar nicht recycelbare Abfälle in Methanol, Strom und Gips umgewandelt. Damit werden diese de facto "nachwachsenden" Abfallstoffe nicht nur sicher entsorgt. Gleichzeitig werden auch die natürlichen Ressourcen geschont,: da auf ÖI und Gas verzichtet werden kann.

Für die Verwertung der festen und flüssigen Abfälle wird im SVZ Schwarze Pumpe auf bewährte Technologien der Vergasung zurückgegriffen. Die Reaktoren dienten früher der Erzeugung von Stadtgas und stehen seit mehreren Jahren umgebaut und angepaßt für die Vergasung von festen und flüssigen Abfällen zur Verfügung. Heute sind sieben Festbett- und zwei Flugstrom-Reaktoren vorhanden, pro Aggregat können stündlich 10 bis 15 Tonnen feste bzw. flüssige Einsatzstoffe verarbeitet werden. Die Vergasungsprozesse laufen bei Temperaturen zwischen 800 und 1600 °C ab. Nach einer gründlichen Gasreinigung erfolgt die Nutzung des Gases in der Methanolanlage bzw. im Gas- und Dampfturbinenkraftwerk.

Die Jahresproduktion der Methanolanlage beträgt etwa 100.000 t, die Leistung des GuD-Kraftwerkes etwa 75 MW; von der ein Großteil in das Verbundnetz der Veag eingespeist wird. Gegenwärtig wird im SVZ Schwarze Pumpe eine neue Aufbereitungsanlage für feste Abfälle errichtet sowie eine neue Generation von Vergasungsanlagen (Schlackebadvergaser System British Gas-LURGI) eingeführt.

Methanol treibt Autos an - Die Zukunft hat begonnen

Alle bedeutenden Autohersteller der Welt arbeiten mit Hochdruck daran, Brennstoffzellen für die Serienfertigung zu perfektionieren. Das bedeutet vor allem, die Aggregate kleiner und preiswerter zu machen. Der Vorteil dieser Antriebe liegt auf der Hand. Sie arbeiten nahezu emissionsfrei und haben einen deutlich höheren Wirkungsgrad als bisherige Motoren. Wird außerdem noch als Ausgangsstoff Methanol verwendet, das aus Abfällen statt aus Öl oder Gas gewonnen wurde, dann ist die Umweltbilanz besonders positiv. Diesen Vorteil hat Daimler-Benz genutzt und seinen am 4. Mai 1998 vorgestellten jüngsten Wagen mit Brennstoffzellen-Antrieb, den "Necar 3", mit Methanol aus dem SVZ Schwarze Pumpe betankt. Die Testfahrten verliefen erfolgreich. Dies berichtete Dr. Arnold Lamm, Leiter Brennstoffzellen-Systemtechnik bei Daimler-Benz, am 6. Mai vor rund 50 Journalisten im SVZ.

Eine methanolgetriebene Brennstoffzelle funktioniert in etwa so: Ein Auto tankt Methanol (CH3OH), das in einem sogenannten Reformer bei etwa 300 Grad Celsius unter anderem in reinen Wasserstoff zerlegt wird. In der Brennstoffzelle kommen die Gase getrennt an. Wasserstoff umströmt den Minus-, Luft den Pluspol. Am Minuspol geht's auch den Wasserstoff-Molekülen ans Leder. Sie werden ionisiert und in positiv geladene Wasserstoff-Ionen und negativ geladene Elektronen zerlegt. Die Ionen wandern durch ein Elektrolyt zum Pluspol. Die Elektronen fließen über den Elektromotor auf dem anderen Weg zum Pluspol. Dort vereinigen sich alle Drei - Elektronen, Wasserstoff-Ionen und Luft(-sauerstoff) - zu schlichtem Wasser. Das verdampft dann gemeinsam mit Kohlendioxid aus dem Auspuff. Der Prozeß wird auch als "kalte Verbrennung" bezeichnet, da die Reaktion in der Zelle bei rund 80 Grad Celsius abläuft. Die Menge des übrigbleibenden Kohlendioxids liegt unter der herkömmlicher Verbrennungsmotoren, andere schädliche Abgase entfallen völlig.

Übrigens ist das Prinzip der Brennstoffzelle - die kontrollierte Knallgas-Reaktion - schon sehr lange bekannt. Es wurde vor mehr als 150 Jahren von dem Engländer William Grove entwickelt.

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