Seite Nr. 2010

Jahresbilanz der Berliner Wasserbetriebe und Konzernbilanz 1997

Pressemitteilung vom 11.06.1998

1. Berliner Wasserbetriebe

Geschäftsentwicklung

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben das Jahr 1997 trotz teilweise widriger Rahmenbedingungen - steigende Abgaben an das Land Berlin bei sinkendem Wasserverkauf - erfolgreich abgeschlossen. Die Umsatzerlöse stiegen von 1938 Mio DM auf 2098 Mio DM. Aus dem Wasserverkauf wurden 801 Mio DM nach 699 Mio DM im Vorjahr erlöst. Die Umsätze durch Entwässerungsleistungen stiegen von 1201 Mio DM auf 1246 Mio DM.

Durch strikte Kostendisziplin konnte ein Nachsteuer-Gewinn von 162,8 Mio DM gegenüber 190,7 Mio DM im Vorjahr erwirtschaftet werden. Aus dem Überschuß des Betriebsteils Wasserversorgung in Höhe von 55,8 Mio DM sollen 34,9 Mio DM als Eigenkapital-Verzinsung an das Land Berlin abgeführt und 20,9 Mio DM zur Stärkung der Eigenkapitalbasis in die Rücklagen eingestellt werden. Aus dem mit Entwässerungs-Leistungen erzielten Gewinn von 107,0 Mio DM gehen 82,7 Mio DM an das Land Berlin und 24,3 Mio DM in die Rücklagen.

Bilanz

Die Bilanzsumme der Berliner Wasserbetriebe sank gegenüber dem Vorjahr leicht von 11555 Mio DM auf 11453 Mio DM. Davon entfallen rund 81% (Vorjahr: 83 Prozent) auf das Anlagevermögen. Nachdem die BWB im August infolge eines entsprechenden Beschlusses der Gewährträger-Versammlung den Betrag von einer Milliarde DM an das Land Berlin abführen mußten, kam es durch steigende Darlehensaufnahmen zu Verschiebungen in der Finanzstruktur. Das Eigenkapital in Höhe von 5582 Mio DM (6499 Mio DM) hat am Gesamtkapital einen Anteil von 49 (56) Prozent. Die Summe des Fremdkapitals stieg auf 5870 Mio DM (5056 Mio DM).

Investitionen

Die BWB haben 1997 unter dem Eindruck des weiterhin sinkenden Wasserverbrauchs und abermals gestiegener Abgaben an das Land Berlin erneut ihre geplanten Investitionen kritisch überprüft und dabei teilweise Mittel gestrichen bzw. Vorhaben zeitlich gestreckt. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 769 Mio DM (1996: 927 Mio DM) in Infrastruktur und Anlagen investiert. Wie bereits in den vergangenen Jahren floß das Gros mit 553 Mio DM (683 Mio DM) dem Bereich Entwässerung zu. In die Wasserversorgung wurden 216 Mio DM nach 352 Mio DM im Vorjahr) investiert.

U. a. wurden

  • das Wasserwerk Buch zum Überpumpwerk umgebaut,
  • der Neubau des größten Pumpwerks der BWB (Wilmersdorf) weitgehend beendet,
  • der Bau von Abwasserleitungen von Marienfelde nach Waßmannsdorf als Voraussetzung für die für 1998 geplante Schließung des Klärwerks Marienfelde vorangetrieben,
  • die Anpassung der Klärwerke an die steigenden Öko-Standards fortgeführt
  • und 1200 Rohrschäden und -brüche behoben, rund 30% mehr als 1996.

Darüber hinaus wurden rund 200 Mio DM in das Klärwerk Waßmannsdorf investiert. Dies geschah auf Rechnung des Fonds, der das Werk seit 1996 verantwortet.

Mitarbeiter

Die Rahmenbedingungen für das Unternehmen ändern sich dynamisch. Dies zieht unzählige Veränderungen nach innen nach sich. Umorganisation von Strukturen, neue Geschäftsfelder, Auslandseinsätze aber auch der Zwang zum Personalabbau fordern permanent zu Weiterbildung und zum Verlassen eingefahrener Wege auf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BWB stellen sich dem mit hohem Engagement. Ausdruck dessen ist beispielsweise, daß die BWB ein neues Arbeitszeitregime umgesetzt haben, das auf Basis flexibler Zeitkonten funktioniert und damit Überstunden vermeiden hilft. Außerdem hat das Unternehmen ein eigenes Trainingsprogramm für Nachwuchs-Führungskräfte initiiert. Zum Jahresende 1997 waren im Unternehmen insgesamt 6583 (6737) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Durch Vorruhestands-Regelungen verließen 259 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen. 77 (59) Auszubildende konnten übernommen werden.

Preise und Abgaben an das Land

Die seit dem 1. Oktober 1996 geltenden Preise blieben trotz der erneut gestiegenen Abgaben an das Land Berlin stabil. Heute kostet ein m3 Wasser 3,69 DM (3,45 DM + 7% Umsatzsteuer). Das Entwässerungsentgelt beträgt 4,85 DM je m3 und ist für die Kunden in Berlin steuerbefreit. Insgesamt sind je m3 8,30 DM (8,54 DM incl. Umsatzsteuer auf Wasser) zu zahlen. Rund ein Fünftel davon sind Abgaben an das Land Berlin. Der Vorstand der BWB hat erklärt, diese Preise bis mindestens zum Jahr 2000 stabil zu halten, wenn dies nicht durch bisher unabsehbare neue Belastungen unmöglich gemacht wird.

Insgesamt haben die Berliner Wasserbetriebe 1997 rund 329 Mio DM an das Land Berlin gezahlt (1996: 245 Mio DM). Nachdem der Anstieg der Abgaben 1996 vor allem auf die Verdoppelung des Grundwasser-Entnahmeentgelts und die Einführung der Eigenkapital-Verzinsung zurückzuführen war, schlägt für 1997 vor allem die Erhöhung der geforderten Eigenkapital-Verzinsung zu Buche.

Auslandsgeschäft

1997 konnten auf internationalen Märkten eine Reihe von Erfolgen erzielt werden. So haben die BWB gemeinsam mit ihrem französischen Partner Compagnie Generale des Eaux (Vivendi) den Zuschlag für zusammen 25 Prozent der Aktien und einen langjährigen Geschäftsführungs-Vertrag für die Budapester Kanalisationswerke erhalten. Mit der ungarischen Stadt Hódmezövásárhely haben die BWB eine Gesellschaft gegründet, die die Kommune mit Wasser versorgt und vom Abwasser entsorgt.

Gemeinsam mit chinesischen Partnern haben die BWB das erste deutsch-chinesische Joint Venture in der Wasserwirtschaft gegründet. Es wird für die Millionenstadt Xian ein neues Wasserwerk errichten. Die Grundsteinlegung fand im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt im April 1998 statt. Mit der polnischen Stadt Szprotawa wurde eine gemeinsame Gesellschaft zum Bau eines neuen Klärwerks gebildet.

Kooperations-Vereinbarungen wurden mit der Hauptstadt Namibias, Windhoek, und dem Kanton Una Sana in Bosnien-Herzegowina unterzeichnet. In Prag, Budapest und der aserbaidschanischen Metropole Baku wurden Repräsentanzen eröffnet.

2. Konzernabschluß

Der Konzernabschluß betrifft die BWB mit ihren Tochterfirmen Hume Rohr GmbH (Doberlug-Kirchhain), SVZ Sekundärrohstoff-Verwertungs-Zentrum Schwarze Pumpe GmbH, SHW Hölter Wassertechnik GmbH (Essen), BerliKomm Telekommunikations-Gesellschaft mbH (Berlin), UCB Umwelt Consult Berlin GmbH, Wasser Nord GmbH & Co KG, Wasser Nord Verwaltungs GmbH (beide Hohen Neuendorf) und Klärwerk Wansdorf GmbH. Die Zahlen des Konzernabschlusses sind noch immer wesentlich durch die BWB geprägt.

Das Bilanzvolumen des Konzerns stieg von 11785 Mio DM auf 12087 Mio DM. Das Eigenkapital beträgt 5433 Mio DM (1996: 6471 Mio DM) und deckt das Gesamtkapital zu 45 (55) Prozent. Die Umsätze im Konzern stiegen im Geschäftsjahr 1997 von 2014 Mio DM auf 2205 Mio DM.

Die Töchter

SHW-Gruppe
Im ersten Jahr als BWB-Tochtergesellschaft steigerte die SHW-Gruppe ihren Umsatz von 88 Mio DM auf 116 Mio DM. Gleichzeitig wuchs der Gewinn vor Steuern und Sonderabschreibungen von 2,9 auf 12,2 Mio DM (siehe Pressemitteilung vom 20. Februar 1998). Zwei wichtige Aufträge konnten verbucht werden: für den Bau und Betrieb einer zweiten Großkläranlage für 400000 Einwohner von Moskau und zur Sanierung der Kanalisation von Sarajevo.

BerliKomm
Der City-Carrier hat im September seine Geschäftstätigkeit begonnen und bei einem Umsatz von 4,1 Mio DM ein positives Ergebnis erzielt. Ende Dezember übernahm die BerliKomm die BB-Data Systemhaus GmbH von der Bankgesellschaft Berlin. Die BerliKomm erfüllt inzwischen die Lizenzantragskriterien nach dem Telekommunikations-Gesetz.

SVZ 
1997 wurden 168 Millionen Mark u. a. in die zur Jahresmitte fertiggestellte Methanolanlage sowie das gleichzeitig übergebene Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk sowie in Abfall-Aufbereitungsanlagen investiert. Die Umsatzerlöse erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr von 63,7 Mio DM auf 92,5 Mio DM. Bedingt durch die hohen Investitionen und die erst seit dem Sommer verfügbaren Anlagen wurde ein geplanter Fehlbetrag von 47,5 Mio DM verbucht. In diesem Jahr wird eine deutliche Ergebnisverbesserung erwartet. Methanol aus dem SVZ wurde erfolgreich für Testfahrten mit dem Brennstoffzellen-Auto Necar 3 von Daimler-Benz eingesetzt.

Hume Rohr
Der Rohrhersteller aus Doberlug-Kirchhain konnte sich u. a. durch Einführung neuer Produkte und das Schließen von Vertriebsallianzen auf einem hart umkämpften Markt behaupten und dabei 1997 seinen Umsatz um 28 Prozent auf 24,0 Mio DM steigern. Dabei wurde ein positives Jahresergebnis erzielt. Die bisher 100%ige BWB-Tochter Hume Rohr ist in diesem Frühjahr mit der Westrohr GmbH & Co Betonwerke Calau verschmolzen.

UCB
Das Ingenieurunternehmen konnte seinen Umsatz von 16,9 auf 40,3 Mio DM mehr als verdoppeln und hat dabei ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Die UCB stellte im Juli mit dem Abwasser-Hauptpumpwerk Karow ihr erstes Großbauvorhaben für die BWB fertig. Im Oktober wurde Richtfest im Klärwerk Wansdorf begangen, bei dem die UCB Mitgesellschafter und Auftragnehmer ist. Außerdem wurde im Auftrag der Brandenburger Landesregierung einem stark verschuldeten Wasser- und Abwasser-Zweckverband Managementhilfe geleistet.

Klärwerk Wansdorf
Die gemeinsame Tochter von BWB, UCB, den Städten Oranienburg, Velten, Hennigsdorf und Falkensee sowie dem Trink- und Abwasserverband Glien hat im Oktober Richtfest für das neue Klärwerk gefeiert. Es löst eine alte Anlage ab und macht Klärwerksneubauten in Oranienburg und Velten überflüssig. Es soll nach zweijähriger Bauzeit in diesem Jahr in Betrieb gehen. Die Investitionskosten verbilligen sich durch mehrfache Optimierung von 120 auf 95 Mio DM.

Wasser Nord
Das Gemeinschaftsunternehmen der BWB mit sechs Nordberliner Gemeinden hat 1997 bei einem nahezu unveränderten Umsatz von 6,5 Mio DM erneut mit einem Gewinn abgeschlossen. Rund 1,4 Mio DM wurden in die Modernisierung des teilweise maroden Leitungsnetzes zur Senkung der Wasserverluste investiert.

3. Technik: Daten & Fakten

1997 wurden von den 12 Wasserwerken 240 Mio m3 Wasser in das 7705 Kilometer lange Versorgungsnetz gefördert, rund 1 Mio m3 weniger als 1996. Die durchschnittliche täglich geförderte Wassermenge lag bei 654100 m3, die höchste wurde am 25. August mit 962100 m3 erzielt. Zum Vergleich: Die Kapazität der Wasserwerke würde eine Gesamtförderung von 1,316 (1,454) Mio m3 erlauben. Der durchschnittliche Haushalts-Verbrauch pro Einwohner und Tag stagnierte im Berichtsjahr bei 126 Litern Wasser.

In den 7 Berliner Klärwerken wurden 1997 insgesamt 237 Mio m3 Abwasser (Vorjahr: 243 Mio m3) gereinigt, etwa 15 Prozent davon stammte von Gemeinden und Zweckverbänden aus dem Umland der Stadt. Das Abwasser wurde von 143 Pumpwerken gefördert. Die Länge der Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle erhöhte sich von 8536 auf 8613 km.

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