Versickern, Klären, Stauen, damit der Regen wieder zur klaren Sache wird
Ein kräftiger Regen ist wie eine Wäsche für Berlin. Staub, Dreck und Abfälle verschwinden in der Kanalisation. Ein Teil dieses Wassers gelangt noch ungereinigt in Seen, Flüsse und Kanäle. Und mit ihm Öl, Abrieb von Straßenbelag und Reifen, Tierexkremente und andere Stoffe. Die Berliner Wasserbetriebe, die im Auftrag des Senats für Planung, Bau und Betrieb der zentralen Anlagen zur Straßenentwässerung und Regenwasserbehandlung verantwortlich sind, arbeiten am Ausbau eines Anlagensystems, das die Abflüsse ungeklärten Regenwassers weiter reduzieren wird.
Versickerung vor Ort: Beste Lösung, aber nicht überall möglich
Die wirksamste Form der Regenwasserbewirtschaftung ist die Versickerung vor Ort. Dabei wird das Regenwasser über die belebte Bodenzone versickert und so gereinigt dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Diese Technologien kommen natürlich nur für gering verschmutztes Wasser in Frage, insbesondere für Dachflächenwasser sowie für Wasser aus Verkehrsflächen mit geringer Belastung. Für die Versickerung wird ein Areal benötigt, das etwa 15% der angeschlossenen versiegelten Fläche entspricht. Dies ist in den grünen Siedlungsgebieten der Stadt gewöhnlich kein Problem.
Besondere Beachtung verdient hierbei das in den letzten Jahren entwickelte Mulden-Rigolen-System. Es besteht aus einem System von dezentralen Versickerungsanlagen in Form von Kies-Rigolen mit darüberliegenden begrünten Versickerungsmulden. Diese sind durch Transportrigolen, Drän- und Rohrleitungen und offene Wasserflächen sowie durch ein Netz von Kontrollschächten zu einem Reinigungs-, Speicher- und Ableitungssystem verknüpft. In Berlin wurde das Mulden-Rigolen-System beispielsweise großflächig im Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht eingesetzt.
Die dezentrale Versickerung ist nicht immer möglich, da entweder zu wenig Platz zur Verfügung steht bzw. der Boden schlecht versickerungsfähig ist, oder weil aufgrund zu starker Verschmutzung eine Gefährdung des Grundwassers möglich ist. Für diese unvermeidbaren Abflüsse ist eine zentrale Regenwasserableitung mit anschließender Regenwasserbehandlung erforderlich.
Regenwasser wird in Berlin entweder im Trennsystem (=Ableitung von Schmutz- und Regenwasser in zwei voneinander getrennten Kanälen) oder im Mischsystem (= gemeinsamer Kanal für Regen- und Schmutzwasser) abgeleitet.
Trennsystem mit Filteranlagen: Bakterien "fressen" Phosphor und Stickstoff
Die Schmutzwasserkanäle leiten das häusliche, gewerbliche und industrielle Abwasser zu den Pumpwerken, die es dann zu den Klärwerken fördern. Der Vorteil ist, daß das Abwasser in gleichmäßig konzentrierter Form anfällt und die großen Regenwassermengen nicht durch die Kanäle und Reinigungsanlagen transportiert werden müssen.
Die Regenwasserkanäle nehmen die Niederschläge auf, die auf Straßen, Dächer und Höfe fallen, ebenso Kühlwasser aus Betrieben oder das Wasser von Entwässerungsgräben. Sie leiten dieses Wasser in das nächste Oberflächengewässer.
Zur Verbesserung der Gewässergüte der Berliner Flüsse und Seen wird das oft verschmutzte Regenwasser vor der Einleitung in die Oberflächengewässer zentral behandelt. Früher erfolgte diese Behandlung durch Regenklärbecken, die sich durch eine besonders hohe Reinigungswirkung für absetzbare und abfiltrierbare Stoffe auszeichnen. Acht solcher Anlagen sind im Bereich der Havelseenkette in Betrieb.
Neben der Versickerung vor Ort soll künftig das Regenwasser in Retentionsbodenfiltern behandelt werden, die nicht nur die mechanische Reinigung durch Absetzwirkung erreichen, sondern auch die sauerstoffzehrenden und eutrophierenden Stoffe in der belebten Bodenzone zurückhalten. In diesen Anlagen erfolgen durch Mikroorganismen biologische Abbauprozesse z. B. von Phosphor- und Stickstoffverbindungen. Das Regenwasser wird in einem offenen gegen den Untergrund abgedichteten Erdbecken gespeichert und kann durch die als Mehrschichtfilter aufgebaute Sohle des Beckens versickern. Die kontrollierte Ableitung des so gereinigten Regenwassers aus dem gedichteten Becken in das Gewässer erfolgt über ein Dränagesystem.
An Einleitstellen, wo der Flächenbedarf für Retentionsbodenfilter nicht verfügbar ist, soll die Regenwasserbehandlung durch Flockungs-Sedimentation-Filteranlagen erfolgen. Derartige Anlagen sind weltweit erstmals in Berlin angedacht. Bemessungs- und Betriebserfahrungen müssen daher im Rahmen von Pilotprojekten in nächster Zeit gewonnen werden.
Alternativ zu den Flockungsfiltrationsanlagen werden an Standorten, wo der Platz für einen Retentionsbodenfilter nicht ausreicht, Fangbecken gebaut. Die Fangbecken speichern das Regenwasser, das später gedrosselt über den Schmutzwasserkanal zu einer Kläranlage geleitet wird.
Eine derartige Regenwasserbehandlung im Trennsystem ist mit enormen Kosten verbunden und benötigt einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Im Rahmen eines Stufenplans sollen vorrangig die Einleitungen in Badegewässer und Gewässer innerhalb von Trinkwasserschutzzonen einer Behandlung unterzogen werden.
Mischkanalsystem mit Puffern für konstanten Zufluß zu den Klärwerken
Besonders in der Innenstadt, wo es unter den Straßen durch unterirdische Leitungs- und Verkehrssysteme sehr eng zugeht, ist das historisch gewachsene Mischkanalsystem von Vorteil. Andererseits müssen größere Kanäle verlegt werden, weil bei Regen ein Vielfaches des Abwassers abzuleiten ist als bei trockenem Wetter.
Da in Klärwerken nur das Zwei- bis Dreifache des Trockenwetterzuflusses behandelt werden kann, wird das Mischsystem mit Regenentlastungsanlagen ergänzt. Das sind Regenüberläufe, Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle. Sie sollen bei starken Niederschlägen das Mischwasser speichern und zeitverzögert dem Klärwerk zuleiten oder das überschüssige Mischwasser in ein naheliegendes Gewässer leiten, wenn die Speicherkapazität erschöpft ist. Diese Bauwerke führen gleichzeitig zur Reduzierung der Kanalquerschnitte im Mischsystem.
Eine Reduzierung der Belastung der Oberflächengewässer wird durch den Bau von Stauraumkanälen oder den Einsatz von Regenüberlaufbecken realisiert. Im Berliner Mischsystem sind hierzu bereits neun Regenüberlaufbecken, ein Stauraumkanal und eine Stauraumbewirtschaftung in Betrieb. Weitere Regenüberlaufbecken sind an den wichtigsten Verschmutzungsschwerpunkten im Mischsystem in unmittelbarer Nähe zu den großen Pumpwerken in den nächsten Jahren geplant. Sie sollen das Mischwasser bei kurzen starken Regen auffangen, um einen Überlauf in die Gewässer zu vermeiden. Nach Regenende sind die Maschinen des Pumpwerks und die Kläranlagen soweit entlastet, um den Beckeninhalt abzupumpen und reinigen zu können. Bei anhaltend starkem Regen wird das Wasser in den Becken mechanisch vorgeklärt und dann in ein Gewässer geleitet.
Zudem werden in großvolumigen Abwasserkanälen bewegliche Schwellen eingesetzt, mit denen der Abfluß reguliert werden kann.
Weitere Becken zum Schutz der Berliner Gewässer geplant
Im Trennsystem ist bis 1999 der Bau von zwei Regenklärbecken am Hubertussee zum Schutz der Havelseenkette sowie an der Walkenrieder Straße in Neukölln vorgesehen. Mittelfristig ist der Bau von 17 weiteren Becken geplant. Das geschätzte Investitionsvolumen für die entsprechenden Maßnahmen im Trennsystem bis zum Jahr 2030 liegt bei 200 Mio DM.
Die voraussichtlichen Gesamtkosten für Sanierung des Berliner Mischsystems im Hinblick auf die Regenwasserbehandlung lassen sich derzeit nur schwer prognostizieren. Es kann aber davon ausgegangen werden, daß der Investitionsbedarf in den kommenden 20 bis 30 Jahren bei weiteren 150 bis 200 Mio DM liegen wird.
Die Planung aller Maßnahmen erfolgt grundsätzlich in Abstimmung mit der Wasserbehörde (SenSUT) auf Basis eines Kosten-Nutzen-Vergleiches verschiedener Varianten. Die Anlagen werden vom Senat als Träger der Straßenbaulast finanziert.
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18.11.1998
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17.09.1998
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16.09.1998
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17.08.1998
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11.06.1998
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22.03.1998Damit das so bleibt, gewinnt der Schutz der Ressourcen an Bedeutung
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03.03.1998

