Klärwerk Marienfelde stillgelegt, Abwasser fließt nach Waßmannsdorf, Schlamm wird im SVZ zu Methanol
Im Klärwerk Marienfelde wird seit wenigen Tagen kein Abwasser mehr gereinigt. Die Demontage und Verwertung der Anlagen steht bevor. Das Abwasser aus den Bezirken Tempelhof, Kreuzberg und Steglitz, das bisher dort gereinigt wurde, fließt nun zum Klärwerk Waßmannsdorf. Dieses neue Klärwerk erfüllt mit seiner Reinigungsleistung die strengen Vorgaben der EU. Der getrocknete Klärschlamm gelangt anschließend in das SVZ (Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe, ein Tochterunternehmen der Berliner Wasserbetriebe), um dort nach der Vergasung zur Produktion von Methanol und Strom zu dienen.
Nach 24 Jahren endet die relativ kurze Geschichte einer Anlage, deren Planung und Bau durch die Insellage des Westteils Berlins bedingt war. 1974 ging das Klärwerk Marienfelde mit seiner Klärschlammverbrennungsanlage in Betrieb. Der Hauptgrund für den Bau war das Bestreben nach Autarkie. Die an die DDR zu zahlende Abwasserabgabe wurde immer teurer und die Abwassermenge die in DDR-Klärwerken gereinigt wurde, war begrenzt.
Das Klärwerk erregte in den 70er Jahren in der Fachwelt großes Interesse, weil in Marienfelde erstmalig in einem Klärwerk eine reine Schlamm-verbrennung betrieben wurde. Interessant war beispielsweise, daß die 3 800 m3 Klärschlamm, die sich täglich in den Becken fingen, durch die Verbrennung ohne Zusatz von Heizöl auf ein Volumen von rund 17 m3 Asche reduziert wurden.
Ende der 80er Jahre zeichnete sich ab, daß das Klärwerk aufgrund der steigenden Anforderungen an die Reinigungsleistung und Luftentlastung ohne erhebliche Investitionen in modernere Technik nicht hätte weiter betrieben werden können. Die Wiedervereinigung ermöglichte es, die Planungen für einen Neubau zu verwerfen.
So wäre der Bau einer neuen Anlage auf dem begrenzten Gelände unverhältnismäßig teuer geworden. Zudem sank der Wasserverbrauch in Berlin erheblich und damit auch die in Marienfelde zu reinigende Abwassermenge. "Der Fall der Mauer und der Ausbau des Klärwerks Waßmannsdorf ersparten einen Klärwerksneubau in Marienfelde und damit Investitionen von mehreren hundert Millionen Mark", erklärt Ludwig Pawlowski, technischer Vorstand der Berliner Wasserbetriebe.
Nach der Stillegung von Marienfelde betreiben die Berliner Wasserbetriebe noch sechs Klärwerke. Wenn die im Klärwerk Schönerlinde notwendigen Umbauten beendet sind, wird im Jahr 2002 das Klärwerk Falkenberg außer Betrieb genommen. Bereits Anfang 1996 ist das Klärwerk Adlershof stillgelegt worden.
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