Pressemitteilung vom 07.08.2006

Manche Medikamente passieren Klärwerke wie Körper

Neue Messtechnik findet feinste Spuren - Mediziner forschen, ob dies Folgen hat

Jeder, der Arzneimittel zu sich nimmt, scheidet deren Wirkstoffe stets zu Teilen der Dosis oder aber als "verdaute"  Reststoffe (Metabolite) mit dem Urin wieder aus. Das führt zu messbaren Konzentrationen dieser Stoffe im Abwasser. Denn durch die immer sensiblere Messtechnik in der Analytik kann heute selbst der Inhaltstoff nur einer Tablette in mehreren Millionen Litern Wasser gemessen werden, etwa der Menge Trinkwasser, die ein Vier-Personen-Haushalt in 20 Jahren nutzt.
Die mechanisch-biologische Technologie zur Reinigung des Abwassers in Kläranlagen ist primär auf den Abbau von Nährstoffen wie Phosphor- und Stickstoffverbindungen ausgerichtet, und nicht auf chemische Arzneimittel und deren Metaboliten. Zwar werden einige dieser Verbindungen zusammen mit den übrigen Substanzen durch die Mikroorganismen aufgezehrt, andere hingegen passieren die Klärwerke. So kommt es zu einer teilweisen Freisetzung von bestimmten Arzneimitteln und von Reststoffen in Flüssen und Kanälen.

Deutsches Wasserrecht deckt unbesorgten Genuss lebenslang ab

Durch die Versickerung könnten einige dieser Stoffe in Spuren in das Grund- und damit in das Trinkwasser gelangen. Ob sie dadurch bei den Wasser-Konsumenten bestimmte Reaktionen (toxisch, kanzerogen, Resistenzen) hervorrufen können, ist gegenwärtig Gegenstand medizinischer Grundlagenforschung. Sollten sich solche Erkenntnisse ergeben, dann werden diese in Recht umgesetzt, etwa durch Novellen der deutschen Trinkwasserverordnung. Diese  strengste Wasser-Vorschrift weltweit enthält für eine Fülle von Stoffen Grenz- und Richtwerte. Diese Werte gewährleisten nach heutigem medizinischen Wissen, dass das Wasser in unbegrenzter Menge ein Leben lang getrunken werden kann.

Derzeit erproben Experten des Kompetenzzentrums Wasser Berlin und der Berliner Wasserbetriebe in zwei Berliner Krankenhäusern Technologien zur Vermeidung bzw. starken Verminderung von Einträgen unerwünschter Stoffe an der Quelle und zusätzliche Techniken der Abwasserreinigung, um die Freisetzung solcher Stoffe in die Umwelt zu minimieren.
Dazu kann auch jeder Berliner seinen Beitrag leisten, indem nicht mehr benötigte Medikamente ausschließlich über die Rückgabe in Apotheken einer geregelten Entsorgung zugeführt werden. Eine gesunde Lebensweise, zu der es auch gehört, ausschließlich vom Arzt verordnete Arzneimittel einzunehmen, schützt das Trinkwasser.

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