Habe ich Bleirohre im Haus?
Die Qualität des Trinkwassers kann in un- oder teilsanierten alten Gebäuden auf den letzten Metern vor dem Wasserhahn durch alte Bleirohre beeinträchtigt werden.
Bei rund 2.000 Hausanschlüssen im öffentlichen Straßenland (Stand 31.10.2011) sind noch Rohre aus Blei vorhanden. Außerdem existieren in der Hausinstallation - also den Leitungen hinter dem Wasserzähler - alter Gebäude, die vor 1940 gebaut und nach 1950 keine Generalsanierung erfahren haben, noch Bleileitungen auf der Seite des Kunden. Konkret sind dies etwa 3.000 Bleileitungen, die jedoch nicht im Verantwortungsbereich der Berliner Wasserbetriebe liegen, sondern vom jeweiligen Hauseigentümer auszuwechseln sind.
West-Ost-Gefälle
Laut Studien gibt es ein starkes West-Ost-Gefälle. In den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln sowie in den Ortsteilen Schöneberg und Zehlendorf gibt es die meisten Blei-Hausanschlüsse, die wenigsten in Treptow und Spandau.
Ursachen
Blei war bis in die 1940er Jahre auf Grund seiner Korrosionsbeständigkeit und leichten Formbarkeit das Standardmaterial für Wasserleitungen kleinen Querschnitts. Seit die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Blei bekannt sind, werden bei Neuinstallationen und Sanierungen Stahl, Kupfer oder Kunststoffe verwendet.
Grenzwerte
Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass ein Liter Wasser – hinter dem Wasserzähler gezapft - höchstens 0,025 Milligramm Blei enthalten darf. Ab 1. Dezember 2013 ist der Grenzwert 0,01 Milligramm je Liter. Das Berliner Trinkwasser verlässt die Wasserwerke mit weniger als 0,005 Milligramm Blei.
Aktion: Ende der bleiernen Zeit
Wir haben im Jahr 2005 in enger Kooperation mit den Gesundheitsämtern eine Offensive zum Austausch alter Hausanschlussleitungen aus Blei gestartet. Ziel ist es, jährlich bis zu 2.000 Hausanschlüsse auszuwechseln – das sind viermal mehr als in den Jahren zuvor. Nur so können wir sicherstellen, dass es bis 2013 keine Hausanschlüsse mehr aus Blei gibt. Diese Arbeiten werden pro Straße durchgeführt. Das ist effizienter und günstiger. Auch für Sie.
Wir nehmen gebiets- und straßenweise Kontakt mit den Hauseigentümern bzw. Verwaltern auf und vereinbaren Vor-Ort-Beratungstermine. Die Arbeiten werden durch die fünf Rohrnetzbetriebsstellen Jungfernheide, Lichterfelde, Mitte, Pankow und Wuhlheide koordiniert. Wo immer es möglich ist, kommen moderne grabenlose Bauverfahren zum Einsatz. Dabei wird ausgehend von einer kleinen Startbaugrube das alte Bleirohr aus dem Erdreich entfernt und das neue Rohr sofort in dessen Spur gezogen. Das spart Aufbruch und Transporte und schont Vorgärten und Straßenbäume.
Für die Hausinstallation ist der Hausbesitzer verantwortlich
Wir wechseln nur betroffene Hausanschlussleitungen aus. Für Leitungen in der Hausinstallation ist der Hausbesitzer oder Verwalter verantwortlich. Wie viele Häuser in Berlin noch Leitungen aus Blei haben, ist nicht bekannt. Bis 2013 müssen diese Leitungen aber auch ersetzt werden, weil dann selbst kürzeste Restlängen zu Grenzwertüberschreitungen führen.
Mieter und Käufer sollten fragen, Hausbesitzer handeln
Die Trinkwasserverordnung stellt Hauseigentümer den Wasserversorgern rechtlich gleich. Sie müssen in ihrem Verantwortungsbereich ebenfalls dafür sorgen, dass ihre Mieter einwandfreies Wasser genießen können. Mieter aus Gebäuden, die nicht grundlegend saniert worden sind, sollten ihren Hausbesitzer oder Verwalter nach dem Material der Rohre im Haus fragen. Ist die Auskunft unbefriedigend, so kann bei Verdacht das zuständige Gesundheitsamt eingeschaltet werden.
Auch Wasseranalysen (angeboten u.a. von den Berliner Wasserbetrieben, der Grünen Liga Berlin oder der Stiftung Warentest) schaffen Klarheit. Entsprechende Fragen an den Vorbesitzer sollten auch Käufer älterer Einfamilienhäuser stellen. Denn mehrere tausend heutige Besitzer solcher Gebäude haben eine Auswechselung ihres Hausanschlusses bisher abgelehnt (ca. 3.100 Blei-HA innen, Stand: 31.03.2011). In solchen Fällen wechseln die Berliner Wasserbetriebe das bleihaltige Rohr trotzdem aus, allerdings nicht komplett, sondern nur zwischen Hauptleitung und Grundstücksgrenze.
Was tun bei Bleirohren?
Lassen Sie das Wasser solange ablaufen, bis es richtig kühl aus der Leitung fließt. Dann können Sie es trinken oder zur Zubereitung Ihres Essens verwenden.
Bitte beachten Sie: Wenn Sie das Wasser ablaufen lassen, sinkt der Bleigehalt – allerdings nicht auf Null. Sind noch Bleileitungen vorhanden, verwenden Sie bis zur Auswechslung für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkinder Mineralwasser.


Bleirohre
