Rollende Gitter sollten Flucht über unterirdische Grenze verhindern

Pressemitteilung vom 05.11.2009
Wasser-Museum zeigt „Zeugnisse der Teilung. Kanalisation im geteilten Berlin“

Durch zwei Abwasserkanäle unter der Alten Jakobstraße in Mitte und unter der Gleimstraße in Prenzlauer Berg sind im Herbst 1961 mindestens 156 Berliner von Ost- nach Westberlin geflohen. Danach wurden Stück für Stück alle an die Grenze führenden oder diese unter-querenden Kanäle vergittert, teilweise sogar mehrfach. Darüber informiert ab dem 6. November mit vielen bislang unbekannten Details das Museum im Wasserwerk in Friedrichshagen mit einer Sonderschau zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.

Mit insgesamt 54 Sperranlagen in allen Kanälen mit einem Durchmesser ab 30 Zentimetern - vorwiegend Gittern und Mauern - sollten Fluchten über die „unterirdische Grenze“ ver-hindert werden. Die letzte bekannt gewordene gelungene Kanal-Flucht an der Berliner Mauer fand am 28. Oktober 1972 an der Teltower Badstraße statt, spätere Versuche scheiterten am Verbau der letzten Durchschlüpfe oder an Verrat.

Erstmals werden in einem Museum originale Sperrgitter gezeigt, eines aus Eisenbahn-schienen und eines aus Stahlrohren, die auf Stahlstäbe gesteckt waren. Das war so perfide wie effizient: Weil sich die Rohre auf den Kernen drehten, scheiterte jeder Säge-Versuch. Zudem werden Zeitzeugenberichte über Fluchten durch verschiedene Berliner Kanäle vorgestellt, von denen zwei erstmals und nur in dieser Ausstellung veröffentlicht werden.

Während beim Trinkwasser Autarkie herrschte, floss Abwasser stets hin und her

Während die Trinkwasserversorgung Berlins bereits in den 1950er Jahren und damit vor dem Mauerbau getrennt worden war, floss Abwasser stets von West nach Ost und umgekehrt. Dabei musste jede Seite für das der anderen Seite zufließende Abwasser bezahlen. Da dieser Saldo für die DDR negativ war und sich Westberlin mit zwei neuen Klärwerken in Ruhleben und Marienfelde weitgehend autark gemacht hatte, trieb auch die  DDR die Trennung des Abwassersystems voran. Dies wurde allerdings nie beendet. Deshalb gab es beim Abwasser zwischen Ost- und Westberlin eine die durch Vernunft bestimmte und über alle politischen Auseinandersetzungen hinweg notwendige Zusammen-arbeit zwischen den Fachleuten.

Das Museum im Wasserwerk am Müggelseedamm 307, 12587 Berlin, ist dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Mehr unter http://www.museum-im-wasserwerk.de/

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Seite Nr. 2018