Regenwasserbewirtschaftung

In Berlin fallen pro Quadratmeter und Jahr durchschnittlich 590 Liter Niederschlag in Form von Regen, Schnee oder Hagel. Fiele die gesamte Niederschlagsmenge auf einmal, stünde Berlin kniehoch unter Wasser.

Die wachsende Stadt führt zu einer zunehmenden Versiegelung. Dabei gehen wertvolle Grün- und Brachflächen für die Rückhaltung, Verdunstung und Versickerung von Niederschlagswasser verloren. Im Ergebnis wird der natürliche Wasserhaushalt unterbunden und das Niederschlagswasser fließt vermehrt oberflächlich ab. Nicht nur, dass stark versiegelte Städte in den Sommermonaten zu Hitzeinseln werden und die Stadtvegetation unter dem Fehlen von Niederschlagswasser leidet. Bei Starkregen kommt die Kanalisation auch schneller an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Zunahme solcher Extremwetterereignisse (Hitzeperioden, Starkregen) durch den Klimawandel gilt als wahrscheinlich.

Die Berliner Wasserbetriebe sind für die Ableitung des Niederschlagswassers von öffentlichen Straßen und Plätzen zuständig. Unsere Kanalisation ist auf „normale“ Regenereignisse ausgelegt, die statistisch gesehen alle fünf Jahre auftreten. Daher läuft die Kanalisation bei selteneren Starkregenereignissen voll (wie z. B. beim Regenereignis vom 29./30.06.2017 mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren). Es kommt zu Überflutungen des städtischen Raums und Mischwasserüberläufen in die Gewässer.

Die Kanalisation flächendeckend auf die selten und zumeist lokal begrenzt auftretenden Starkregenmengen auszulegen, wäre aufgrund des Platzmangels im Untergrund der Stadt schwer umsetzbar und zudem wirtschaftlich nicht vertretbar. Die Kanäle wären dann für den „Normalbetrieb“ viel zu groß dimensioniert, das Abwasser flösse schlechter ab und es käme zu Geruchsbildung sowie Korrosion. Daher muss das Niederschlagswasser mithilfe von anderen Maßnahmen bewirtschaftet, d. h. verdunstet, versickert oder gespeichert werden.
 

Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung können auf verschiedenen räumlichen Ebenen Anwendung finden:

  • Kanaleinzugsgebietsebene
  • Quartiersebene
  • Gebäude- bzw. Grundstücksebene

Das Land Berlin strebt sowohl im Neubau als auch im Bestand eine konsequente Neuausrichtung im Umgang mit Niederschlagswasser an: weg von der reinen Ableitung in die Kanalisation hin zu einer dezentralen Bewirtschaftung und Unterstützung des natürlichen Wasserhaushalts.
 

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung bietet vielfältige Vorteile:

  • Entlastung der Kanalisation und Kläranlagen
  • Schutz der Gewässer
  • Verbesserung des Stadtklimas (v. a. Kühlung durch Verdunstung)
  • Erhöhung der biologischen Vielfalt (durch die Schaffung von Biotopen)
  • Integration in die und Verbesserung der Freiraumgestaltung

Die maßnahmenspezifische Bewertung dieser Vorteile stand im Mittelpunkt des Forschungsprojekts KURAS (Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme). Dahinter steckt die Idee, dass sich je nach Rahmenbedingungen und gewünschten Effekten unterschiedliche Maßnahmenkombinationen eignen.

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