DIGITALISIERUNG VERBINDET

Die digitale Transformation macht vor keiner Branche halt. Automatisierte Prozesse und beschleunigte Arbeitsabläufe spielen auch bei den Berliner Wasserbetrieben eine wesentliche Rolle. IT-Stratege Heiner Kretzer und Berater Henning Longwitz diskutieren, wie sich die Berliner Wasserbetriebe mit smarten Werkzeugen für aktuelle Herausforderungen wappnen.

Warum spielt Digitalisierung für einen Versorger wie die Berliner Wasserbetriebe überhaupt eine Rolle?

Heiner Kretzer In der Tat haben Versorgungsunternehmen erst mal mit den Begriffen Digitalisierung und Industrie 4.0 gerungen – die zunächst überwiegend von der Exportwirtschaft aufgegriffen wurden. Als Berliner Wasserbetriebe verkaufen wir seit über 160 Jahren Trinkwasser und reinigen Abwasser. Das grundlegende Geschäftsmodell wird sich auch in Zukunft nicht verändern. Aber natürlich spielen digitale Prozesse auch bei uns eine zunehmend starke Rolle. Kunden erwarten etwa eine Kommunikation über soziale Medien oder digital einsehbare Abrechnungen. Automatisierte und intelligente Prozesse sind auch in der Trinkwassergewinnung und Abwasserreinigung erforderlich, um beispielsweise schnell und vorausschauend auf extreme Wetterereignisse nicht nur zu reagieren, sondern steuernd einzugreifen. Digitalisierung bietet uns aber auch Möglichkeiten, den Arbeitsalltag der Beschäftigten zu erleichtern.

Welche Rolle spielen dabei externe Experten wie The unbelievable Machine?

Henning Longwitz Als Experten für die Verarbeitung und Analyse großer und dynamisch wachsender Datenbestände können wir die Berliner Wasserbetriebe in ihrer digitalen Transformation unterstützen, wenn es um schnelle und flexible Bereitstellung von Cloudtechnologien, moderne Analysemethoden und maschinelles Lernen auf Basis dieser Datenbestände geht.

Heiner Kretzer  Beispielsweise ermöglicht uns der Aufbau eines digitalen Modells zur Simulation von Regen und seines Abflusses über Dächer, Straßen und Plätze in die Kanalisation zu den Pumpwerken und von dort über das Druckrohrnetz bis zu den Klärwerken ein besseres Verständnis für das Verhalten von Starkregen. In Projekten dieser Art ist es vorteilhaft, wenn wir Softwarelösungen wie in einem Labor ausprobieren können. Das Team von The unbelievable Machine unterstützt uns in unserem digitalen Labor mit seinem Wissen im Umgang mit Daten und Technologien.

Digitalisierung ist Mannschaftssport, welche Funktion  hat dabei das Center of Excellence - Digitalisierung, das die Berliner Wasserbetriebe etabliert haben?

Heiner Kretzer Herausforderungen in der Wasserwirtschaft erfordern schon immer multidisziplinäre Zusammenarbeit auf vielen Ebenen. Das ist für die Berliner Wasserbetriebe nicht neu. Die IT hatte in der Vergangenheit aber eine eher unterstützende Rolle und wurde meist am Ende eines Veränderungsprozesses für die Bereitstellung von technischer Infrastruktur eingebunden.

Mit der Digitalisierung werden wir nun wesentlich stärker als Innovationspartner gefordert. Um hier alle relevanten Fachkollegen an einen Tisch zu bringen und ohne große organisatorische Hürden Innovationen zu testen und umzusetzen, haben wir das Center of Excellence - Digitalisierung ins Leben gerufen. Gemeinsam mit externen Experten setzen wir beispielsweise sogenannte Sprintprojekte um: In kurzer Zeit versuchen wir hier, Lösungen für dringende Problemstellungen zu entwickeln und direkt in die Praxis zu überführen.

Was haben Sie bisher umgesetzt und was bringt die Zukunft?

Heiner Kretzer Mit dem Erfolgssprint 2017 haben wir vier Projekten Raum zum Experimentieren gegeben. Innerhalb eines halben Jahres haben bereichsübergreifende Arbeitsgruppen erste digitale Designs mit Blick auf ein neues Kundenportal der BWB und den Hausanschlussprozess entwickelt. So könnte es für den Kunden in naher Zukunft möglich sein – ähnlich dem Tracking bei der Paketversendung –, den Prozessverlauf der Hausanschlusserstellung zu verfolgen und nötige Dokumente digital vom heimischen Wohnzimmer ins System hochzuladen.

Henning Longwitz  Um ein weiteres Beispiel aus dem Arbeitsalltag der  Berliner Wasserbetriebe mit ihren Kunden zu nennen: Wasserzählerstände werden bisher überwiegend manuell abgelesen – hier kann es natürlich zu Fehlern beim Übertragen auf das Papier kommen. Um hier Abhilfe zu schaffen, testen wir gemeinsam Bilderkennungsverfahren und haben einen Prototyp für eine digitale Ablesung entwickelt. Hier können wir von Erfahrungen aus anderen Branchen profitieren und diese auch künftig auf die Wasserwirtschaft übertragen.