Wasserkreislauf

Das Berliner Trinkwasser wird aus den Grundwasserreserven Berlins gewonnen. Was passiert auf dem Weg vom Grundwasser bis in den Haushalt und von dort bis ins Klärwerk?

Berliner Wasserkreislauf

Der Weg des Wassers führt von der Trinkwassergewinnung bis zur Abwasserbehandlung. In Berlin wird das Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen, in Wasserwerken aufbereitet und über das Rohrnetz an Industrie und Haushalte verteilt. Nach Gebrauch wird es als Abwasser über die Kanalisation zu Pumpwerken und weiter in die Klärwerke geleitet, in denen es verschiedene Reinigungsstufen durchläuft, um schließlich in Flüsse geleitet zu werden. Ein Teil dieses Wassers versickert, durchläuft den natürlichen Reinigungsprozess und gelangt zusammen mit dem Niederschlagswasser in das Grundwasser.

Brunnen und Wasserschutzgebiete

Brunnen und Wasserschutzgebiete

Das Berliner Trinkwasser kommt aus Grundwasservorkommen unter der Stadt. In mehr als 10.000 Jahren hat es sich unter tiefen Schichten aus Stein, Erde und Sand gebildet.

Das Grundwasser füllt sich durch Niederschläge und Oberflächenwasser immer neu auf. Dabei passiert es mehrere Bodenschichten und wird so auf natürliche Weise gereinigt und gewinnt wertvolle Mineralien. Deshalb ist Grundwasser als Ressource für die Trinkwassergewinnung so gut geeignet.

In manchen Gebieten, in denen sich das Grundwasser nicht ausreichend auffüllen kann, versorgen wir es mit vorgereinigtem Wasser aus Flüssen und Seen. Dazu wird es in flachen Erdbecken oder in Teichen und Gräben gestaut.

Rund 650 Tiefbrunnen mit 30 bis 140 Meter Tiefe fördern das Grundwasser zu den Wasserwerken. Hier wird es zu Trinkwasser aufbereitet. Unsere Vertikalfilterbrunnen können 40 bis 400 Kubikmeter Wasser in der Stunde zu Tage befördern. Unsere drei Horizontalfilterbrunnen schaffen sogar bis zu 1.600 Kubikmeter pro Stunde.

Um das Wasser im Gebiet um unsere Brunnen sauber zu halten, hat Berlin mehrere Wasserschutzgebiete festgesetzt.

Rohrnetz und Wasserwerke

Rohrnetz und Wasserwerke

Von den Brunnen leiten wir das Grundwasser in eines unserer neun Wasserwerke. Hier bereiten wir es auf und speichern es in Reinwasserbehältern. Berliner Haushalte, Industrie und Gewerbe benötigen durchschnittlich rund 546.000 Kubikmeter frisches Trinkwasser – jeden Tag. Das entspricht fast 400 gefüllten 50-Meter-Becken im Schwimmbad. Mit bis zu 1,1 Millionen Kubikmetern pro Tag können wir fast doppelt so viel bereitstellen.

Die Berliner Wasserversorgung wird über ein Leitsystem aus drei Schaltwarten in Friedrichshagen, Tegel und Beelitzhof überwacht und gesteuert. Die zentrale Steuerung stimmt die Wasserwerke aufeinander ab. So können wir eine hohe Förderkapazität sicherstellen und alle Haushalte versorgen.

Unsere Wasser- und Zwischenpumpwerke sind durch ein 7.816 Kilometer langes Leitungsnetz verbunden. Von den Versorgungsleitungen führen rund 275.000 Hausanschlüsse bis zu Ihrem Wasserhahn. Außerdem sorgen 69.300 Hydranten und 93.000 Absperrarmaturen dafür, dass die Trinkwasserversorgung reibungslos funktioniert. Wir regulieren Druck und Durchfluss an zahlreichen Punkten des Rohrnetzes, damit auch hohe Gebäude versorgt werden können.

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Hier können Sie die technischen Angaben, Historien und Kennzahlen zu unseren Wasserwerken sowie die Analysewerte der Wasserwerke als PDF herunterladen.

Kanalnetz und Klärwerke

Abwasser-Kanäle

Aus Trinkwasser wird Abwasser. Über Hausanschlusskanäle fließt es dank der Schwerkraft zum Sammelkanal in den Straßen und von dort durch immer größer werdende Kanäle zu Pumpwerken, die es zum Klärwerk befördern. Wir haben den Weg des Abwassers stets im Blick.

Berlin ist in Entwässerungsgebiete aufgeteilt. Die Abwasserkanäle führen immer zum tiefsten Punkt eines Entwässerungsgebietes. Dort liegt ein Pumpwerk, das das Abwasser über Druckrohre zum Klärwerk fördert.

Getrennt oder gemeinsam

Die Berliner Abwasserkanäle sind 9.746 Kilometer lang. Das entspricht in etwa der Strecke von Berlin bis nach Lima, der Hauptstadt von Peru. Drei Viertel der kanalisierten Gebiete Berlins haben getrennte Abwasserkanäle für Schmutz- und Regenwasser. Ein Viertel der Stadt – vor allem der Bereich innerhalb des S-Bahn-Rings – wird in einem sogenannten Mischsystem entwässert, in dem Regen- und Schmutzwasser in den selben Kanälen abgeleitet werden.

Aber wie funktionieren diese Systeme?

Pumpwerke und Klärwerke

Die Berliner Abwasserreinigung hat hohe Anforderungen. Mit Know-how und technischer Ausrüstung betreiben wir hierfür 164 Pumpwerke, über tausend Kilometer Druckrohrleitungen und sechs Klärwerke.

Klärwerke

Bei trockenem Wetter reinigen unsere Klärwerke täglich rund 624.000 Kubikmeter Abwasser. Hier treffen sich:

  • Toilettenspülung
  • Küchenwasser mit Speiseresten
  • Putz- und Badewasser
  • Industrie- und Gewerbeabwasser
  • Niederschlagwasser mit Schmutz von Dächern, Höfen, Gärten, Straßen und Plätzen

Abwasser kann mit ungelösten und gelösten Stoffen verschmutzt sein. Ungelöste Stoffe schwimmen im Wasser oder sinken. Deshalb lassen sie sich mechanisch filtern. Gelöste Stoffe lassen sich nur biologisch oder chemisch vom Wasser trennen. In den Berliner Klärwerken durchläuft das Abwasser nacheinander alle diese Stufen.

In der mechanischen Reinigung fangen Rechen, Sandfang und Absatzbecken die gröbsten Verschmutzungen ab. In der biologischen Reinigungsstufe folgen anaerobe, anoxische und aerobe Zonen. Sie entfernen Phosphor- und Stickstoffverbindungen. Ungelöste und biologisch abbaubare gelöste Schmutzstoffe werden so zu 97 Prozent zurückgehalten. Damit ist das Abwasser so gut wie sauber.

Um diese Reinigungsleistung weiter zu verbessern, statten wir unsere Klärwerke in den nächsten Jahren mit weitergehenden Reinigungsstufen wie Flockungsfiltration und Ozonierung aus. Damit werden Phosphor- und Stickstoffverbindungen weiter reduziert und Gewässer geschützt. Im Klärwerk Schönerlinde entsteht zudem eine moderne Anlage zur Entfernung von Spurenstoffen.

Ist das Abwasser gereinigt, leiten wir es in Flüsse und Seen. Von dort sickert es durch das Gestein über lange Zeit ins Grundwasser. Der Kreislauf beginnt von vorn.

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Hier finden Sie technische Angaben, Historien und Kennzahlen zu unseren Klärwerken.

Information der Öffentlichkeit gemäß § 8a der Störfall-Verordnung 2017

Regenwasserbewirtschaftung

Regenwasserbewirtschaftung

In Berlin fallen pro Quadratmeter und Jahr durchschnittlich 590 Liter Niederschlag als Regen, Schnee oder Hagel. Zum Vergleich: Fiele all das auf einmal an einem Tag, stünde ganz Berlin kniehoch unter Wasser.

Weil die Stadt wächst und sich verdichtet, werden mehr und mehr Flächen versiegelt. Dabei gehen viele Grün- und Brachflächen verloren. Das ist nicht nur schlecht für Tierwelt und Stadtbild: Die Stadt braucht unversiegelte Flächen auch für die Rückhaltung, Verdunstung und Versickerung von Niederschlagswasser.

Durch die Versiegelung wird der natürliche Wasserhaushalt unterbrochen. Das Wasser fließt vermehrt oberflächlich ab. Das Ergebnis: Im Sommer wird Berlin zur Hitzeinsel, und Pflanzen und Bäume vertrocknen. Und die Probleme verschärfen sich. Mit dem Klimawandel wird es in Zukunft wahrscheinlich mehr Hitzeperioden oder Starkregen geben als bisher.

Unsere Kanalisation ist auf „normalen“ Regen ausgelegt. Bei selteneren Starkregen kommt sie schnell an ihre Kapazitätsgrenzen und läuft voll. Straßen und Tunnel werden überflutet und Mischwasser fließt in die Gewässer ab.

Leider können wir die Kanalisation nicht einfach überall vergrößern. Der Platz im Untergrund ist knapp, und solche Vorhaben sind teuer. Zudem wären die Kanäle dann für den „Normalbetrieb“ viel zu groß dimensioniert. Das Schmutzwasser flösse schlechter ab und es käme zu Geruchsbildung und Rost. Deshalb muss das Niederschlagswasser bei den seltenen Starkregenfällen anders behandelt werden: Es muss verdunsten, versickern oder gespeichert werden.

In Zukunft versucht das Land Berlin neue Lösungen, statt sich nur auf die Ableitung in die Kanalisation zu verlassen. Im Neubau und im Bestand ist das Ziel: dezentrale Bewirtschaftung und Unterstützung des natürlichen Wasserhaushalts. Wir nennen es die Schwammstadt Berlin.