„Über Leitungswasser sollte besser informiert werden“

Berliner Wasserbetriebe: Trinken Sie selber gerne Trinkwasser aus dem Hahn?

Dr. Michael Boschmann: Ich trinke fast ausschließlich Wasser aus der Leitung. Mitunter gebe ich noch einen Schuss Apfel- oder Grapefruitsaft dazu.

Wasserbetriebe: Die Ergebnisse der Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Wasserbetriebe zeigen: Trinkwasser aus dem Hahn ist das beliebteste Alltagsgetränk, vor Kaffee und Mineralwasser aus der Flasche. Wie bewerten Sie das Ergebnis und überrascht es Sie?

Boschmann: Es ist doch gut zu hören, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung Leitungswasser als Durstlöscher bevorzugt, und das fast unabhängig vom Alter. Frauen bevorzugen Leitungswasser etwas mehr als Männer. Interessanterweise trinken die 14- bis 29-Jährigen am wenigsten Leitungswasser.

Überraschend ist für mich auch, dass doppelt so viele Männer als Frauen Softdrinks konsumieren. Interessant ist auch, dass nur wenige im Restaurant Leitungswasser trinken bzw. sich nicht trauen danach zu fragen. Ich weiß aus eigenem Erleben, dass es viele Restaurants ablehnen, Leitungswasser zu servieren.

Wasserbetriebe: Ist Trinkwasser aus dem Hahn Ihrer Meinung nach gesund und wenn ja/nein, warum?

Boschmann: Das Berliner Trinkwasser gilt als sehr gesund, da es ausschließlich aus dem Grundwasser gewonnen wird. Die chemischen, biologischen und mikrobiologischen Analysenergebnisse sind hervorragend. Nachteilig ist wohl für Viele, dass das Berliner Wasser sehr hart ist. Damit ist es zwar ein guter Calciumlieferant. Aber Minerale wie Calcium sind auch ein Geschmacksträger. Wer es ganz pur mag, kocht sein Wasser einfach kurz auf.

Wasserbetriebe: Was ist Ihre generelle Empfehlung in Bezug auf den Trinkwasserkonsum?

Boschmann: Trinken sollte man allgemein, wenn man Durst hat. Ein bis zwei Liter pro Tag sind ausreichend. Manche kommen mit etwas weniger aus, andere brauchen mehr. Im Sommer muss man generell mehr trinken als im Winter. Es macht aber keinen Sinn, den ganzen Tag mit der Wasserflasche umherzulaufen – also kein „Präventivtrinken“. Menschen mit Herzkreislauf- oder Nierenerkrankungen sollten ihren Arzt bezüglich ihres Trinkverhaltens konsultieren.

Wasserbetriebe: Praktisch, günstig, ökologisch – trotz der Vorteile des Trinkwasserkonsums trinkt immerhin jeder vierte befragte Berliner Wasser aus der Leitung „nicht so gern“ oder „gar nicht gern“. Welche Tipps haben Sie für diese Menschen, sich mit dem Getränk anzufreunden?

Boschmann: Über Leitungswasser sollte wahrscheinlich noch besser informiert werden. Wenn man sieht, wie intensiv Mineralwässer beworben werden, dann sieht das für Leitungswasser eher mau aus. Leitungswasser zu trinken ist auch ökologisch, denn es wird vor Ort gewonnen und auch angeboten und nicht mitunter hunderte Kilometer durch das Land oder auch Europa transportiert.

Außerdem ist es extrem preiswert: Ein Liter kostet einen halben Cent. Damit kann auch das billigste Mineralwasser aus der Flasche nicht mithalten. Wem Leitungswasser nicht so schmeckt, der kann ja etwas Zitrone oder Limone zusetzen oder mixt sich eine leichte Schorle.

Wasserbetriebe: Wenn es um Diäten oder Fasten geht, dann stehen meistens Speisen im Fokus. Wie relevant sind Getränke und Trinkwasser im Speziellen, wenn es um das Thema Übergewicht und Abnehmen geht?

Boschmann: Wasser ist nicht nur ein Durstlöscher bzw. wichtiges Lösungs- und Transportmittel in unserem Körper, sondern es ist auch wichtig für einen guten Stoffwechsel. Das Trinken von einem halben Liter Wasser morgens nach dem Aufstehen kurbelt den Stoffwechsel an und erhöht den Energieumsatz. Trinkt man ca. zwei Liter Wasser am Tag, so kann man den Energie- bzw. Kalorienverbrauch um ca. 100 kcal steigern.

Durch das Trinken werden auch Ausscheidungsvorgänge angeregt. Deshalb gehört eine ausreichende tägliche Trinkmenge, vorzugsweise von Wasser, in jedes Fasten- und Diät-Programm. An Essener Schulen konnte man vor einigen Jahren zeigen, dass Schüler, die über ein Jahr vorzugsweise Wasser tranken anstelle von Softdrinks, am Ende ein um ein bis zwei Kilo geringeres Körpergewicht aufwiesen als Schüler, die dieses nicht taten.

Michael Boschmann

Dr. Michael Boschmann, Charité Universitätsmedizin, Campus Buch 

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© 2009, Berliner Wasserbetriebe.
Seite Nr. 19928