Regina Gnirß leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung der Berliner Wasserbetriebe. Im Gespräch informiert sie, was das Unternehmen gegen Mikroplastik im Wasserkreislauf tut und wie alle Berlinerinnen und Berliner einen Beitrag leisten können.
Ja, das stimmt. Das meiste davon stammt vom Reifenabrieb der Autos, der bei Regen von den Straßen in die Kanalisation gespült wird. Aber auch beim Waschen von Kunstfasern, wie Sport- oder Funktionskleidung, lösen sich kleinste Plastikteilchen, die über den Abfluss dann in die Kanalisation gelangen. In vielen Wasch- und Putzmitteln findet man die Teilchen ebenfalls. Sie können so winzig sein, dass die Bakterien, die in unseren Klärwerken das Abwasser biologisch reinigen, sie nur teilweise herausfiltern können. So fließen sie nach der Reinigung mit dem gereinigten Wasser in Berlins Gewässer. Mikroplastik gelangt also auf unterschiedlichen Wegen in den Wasserkreislauf. Bisher wurde es aber nicht im Trinkwasser nachgewiesen.
Wir untersuchen die Quellen und Entfernungsmöglichkeiten und sind an mehreren Forschungsprojekten beteiligt. In dem Projekt „Mikroplastik im Wasserkreislauf“ haben wir gemeinsam mit der TU Berlin und weiteren Partnern erforscht, welche Effekte die Nutzung von Kunststoffen auf uns Menschen und unsere Umwelt hat. Im Rahmen des Projekts haben wir verschiedene Versuchsanlagen, wie z. B. einen Polstofffilter, betrieben und konnten zeigen, dass mit den verschiedenen Filtrationsverfahren zur weitergehenden Abwasserreinigung effektiv Mikroplastik entfernt wird.
Im vom Bundesbildungsministerium geförderten Forschungsprojekt „RAU" haben wir der Reifenabrieb im Niederschlagswasser und in Regenwasserbehandlungsanlagen untersucht. Des Weiteren wurden neuartige Reifen und Straßenkehren getestet, um den Eintrag von Reifenabrieb in die Umwelt zu verringern. Problematisch ist die Ableitung des Regenwassers über die Trennkanalisation, da durch Gullys lediglich 20 – 80 % des Reifenabriebs entfernt werden. Deshalb sind technische Lösungen wie Retentionsbodenfilter und Mulden-Rigolen, die das Gewässer schützen, sehr wichtig.
Wir nehmen das Thema Mikroplastik sehr ernst, weil wir den natürlichen Kreislauf, aus dem wir unser Trinkwasser gewinnen, sauber halten wollen. Als Umweltunternehmen tragen wir dafür eine Verantwortung.
Unsere Klärwerke sind deshalb auf die Entfernung von Stoffen wie Fasern, Gummi und auch Plastikteilchen ausgerichtet. Deshalb können unsere Klärwerke schon heute rund 99 % dieser Stoffe aus dem Abwasser entfernen.
Die Vermeidung von Produkten mit Mikroplastik und die richtige Entsorgung von Plastik sind das A und O. Viele Produkte, bei denen man es nicht vermutet, enthalten Mikroplastik, wie Putzmittel oder Peelings. Ein Blick in die Inhaltstoffe des Produkts verrät, ob Mikroplastik enthalten ist. Vermeidet man diese Produkte, ist das schon ein großer Beitrag.
Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Einkaufshilfen und Broschüren, die aufklären: Der Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND stellt Daten und Fakten zum Thema Plastik bereit. Und im BUND-Einkaufsratgeber werden Produkte aufgelistet, die Mikroplastik enthalten. Es gibt mittlerweile sogar Apps, wie CodeCheck. Damit kann man Produkte beim Einkaufen scannen und erfährt sofort, ob sich Mikroplastik darin versteckt.
Und nicht zu vergessen: Plastik gehört nicht auf die Straße oder in die Gewässer, sondern in die orange oder gelbe Wertstofftonne.